Als in linkspolitisch ausgerichteten Kommunen lebende Menschen wollen wir den bestehenden gesellschaftlichen Zustand nicht einfach hinnehmen.
Wir wollen das gute Leben für alle! Dem kommen wir nur ein Stückchen näher, wenn wir verstehen, dass die verschiedenen Macht- und Herrschaftsverhältnisse miteinander verknüpft sind, nicht losgelöst voneinander betrachtet und aufgehoben werden können. Seien es der kapitalistische Arbeitsalltag, in dem ein Leben unter Leistungsdruck, Konkurrenz und Selbstausbeutung als Normalität erscheint oder sexistische Normen, unter denen immer noch von Frauen* das Erbringen der gesellschaftlich notwendigen Carearbeit erwartet wird. Oder seien es rassistische Zustände, die den Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe stark beschränken, beispielsweise auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt oder durch Ausgrenzung im Alltag.
Selbst wenn wir als Einzelne darin vielleicht sogar relativ gut zurechtkommen, widersprechen diese gesellschaftlichen Bedingungen unseren Vorstellungen vom guten, solidarischen und gleichberechtigtem miteinander Leben.
Genau deshalb verstehen wir Kommunen als politisches Projekt:
Wohl bewusst, dass wir uns nicht aus dem gesellschaftlichen Rahmen herauslösen können, wählen wir das Konzept der Kommune mit gemeinsamer Ökonomie, kollektiver Arbeit und unserem Verständnis eines solidarischen Zusammenlebens, um andere Praktiken miteinander zu erproben und Alternativen erlebbar zu machen.
Wir setzen dabei bei den kapitalistischen Strukturen wie ökonomischen Zwängen, entfremdeter Lohnarbeit, unterschiedlichen Zugängen zum Arbeitsmarkt, unterschiedlicher Entlohnung der selben Tätigkeit, klaren Besitzverhältnissen, der Norm kleinfamiliärer Strukturen und Wertungshierarchien von Arbeit an und wollen diesen etwas entgegensetzen. Für viele von uns bildet die Kommune darüber hinaus den ökonomischen und sozialen Rückhalt für weitergehendes gesellschaftliches Engagement.
In den kapitalistischen und diskriminierenden gesellschaftlichen Strukturen haben die meisten von uns jedoch nicht selbstverständlich gelernt, in einer Gemeinschaft mit anderen ihr Leben zu gestalten, selbstbestimmt und auf Augenhöhe.
Daher ist das Ganze ein herausforderndes Unterfangen und es gilt, gewohnte Muster zu hinterfragen, umzudenken, neue Formen von Verbindlichkeit und Bezugnahme zu versuchen, Dinge auszuhandeln und gemeinsame Prozesse zu gestalten.
Das Los Geht’s soll Raum bieten, sich mit diesen Fragen zu befassen und richtet sich an Menschen, die auch den Wunsch empfinden, genau dies zu tun: „anders“ zu leben als gesellschaftlich vorgesehen und gemeinsam mit anderen neue Wege zu erkunden und sich auf soziale Experimente einzulassen.